Wie geht das denn formal und wie ist die Finanzierung?

Erstgespräch

Wenn sich jemand mit einer Psychotherapie-Anfrage bei mir meldet, versuche ich möglichst kurzfristig einen Kennenlern-Termin (sog. „Sprechstunde“) anzubieten. Bei diesem ersten Gespräch wird über das aktuelle Problem, aber auch über die persönliche Situation und den biografischen Hintergrund gesprochen. Beide, Therapeut und Patient/in gewinnen einen ersten Eindruck voneinander und eine erste Einschätzung ob eine psychotherapeutische Behandlung bei mir hilfreich sein könnte oder ob ein anderes Vorgehen erfolgversprechender erscheint.

Probesitzungen

Wenn beide sich eine gemeinsame therapeutische Arbeit vorstellen können, werden weitere Gespräche vereinbart („Probatorische Sitzungen“). Dabei werden die Themen aus dem ersten Gespräch noch einmal vertiefend durchgesprochen. In diesen Gesprächen geht es auch um die Einschätzung, ob Therapeut und Patient/in gut und konstruktiv miteinander ins Gespräch kommen und eine hinlänglich verlässliche Vertrauensbasis besteht. Wenn das der Fall ist, müssen gemeinsame Termine gefunden und die Finanzierung geklärt werden. Dann steht dem Therapiebeginn nichts mehr im Wege.

Finanzierung

Gesetzlich Krankenversicherte stellen bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf psychotherapeutische Behandlung. Dazu erhalten sie von mir ein Formblatt. Zusätzlich benötigen sie einen sogenannten ärztlichen Konsiliarbericht. Auch dazu gibt es ein Formblatt, das der Patient/die Patientin von einem Arzt seines/ihres Vertrauens ausfüllen lässt. Dieser Bericht soll eine kurze Darstellung des körperlichen Gesundheitszustands und v. a. eine Stellungnahme dazu enthalten, ob aus ärztlicher Sicht etwas gegen eine Psychotherapie spricht oder eine ärztliche (z. B. medikamentöse) Mitbehandlung erforderlich ist. Zusammen mit einem weiteren, von mir auszufüllenden Formblatt schicke ich diese Unterlagen an die Krankenkasse. In einem ersten Bewilligungsschritt können so 12 Sitzungen von der Krankenkasse bereits nach wenigen Tagen genehmigt werden.

Wenn von vornherein mit einer längeren Behandlungsdauer zu rechnen ist oder eine bereits eingeleitete Therapie über 12 (bzw. nach Verlängerung 24) Sitzungen hinaus weitergeführt werden soll, erfolgt die weitere Bewilligung im Rahmen des sog. Gutachterverfahrens. Dazu verfasst der Therapeut einen differenzierten Bericht, der anonymisiert an einen Psychotherapie-Gutachter außerhalb der Region weitergeleitet wird. Dieser spricht eine Empfehlung aus, die die Bewilligung oder die Ablehnung der beantragten Behandlung oder u. U. eine Reduzierung der Stundenzahl beinhalten kann. Die Krankenkasse übernimmt regelmäßig die gutachterliche Empfehlung.

Für Patienten, die über die Beihilfe versichert sind, gilt eine im Grundsatz gleiche, in Details aber abweichende Regelung.

Privat Versicherte sollten sich vor Aufnahme einer Therapie bei ihrer Krankenkasse über die Finanzierungsmodalitäten informieren. Bei den Privatkassen bestehen sehr unterschiedliche vertragliche Vereinbarungen bezüglich der Kostenübernahme von Psychotherapie.

Ausfallhonorar

Die Krankenkassen übernehmen keine Kosten für Sitzungen, die – gleich aus welchem Grund – nicht wahrgenommen wurden. Ich treffe mit meinen Patienten/Patientinnen eine einvernehmliche Regelung über den Umgang mit nicht wahrgenommenen Sitzungen.

Schweigepflicht

Psychotherapeuten unterliegen wie die Ärzte der Schweigepflicht nach § 203 des Strafgesetzbuches. Für die Teilnehmer/innen an Gruppentherapie gilt eine Vereinbarung zur Verschwiegenheit über die Vorgänge in der Gruppe.